Die EmpCo-Richtlinie – offiziell Richtlinie (EU) 2024/825 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. Februar 2024 zur Änderung der Richtlinien 2005/29/EG und 2011/83/EU hinsichtlich der Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel durch besseren Schutz gegen unlautere Praktiken und durch bessere Informationen – verschärft die EU-Vorschriften gegen irreführende Geschäftspraktiken in der Nachhaltigkeitskommunikation.
Künftig dürfen entsprechende Aussagen nur auf Zertifizierungssystemen beruhen, deren Anforderungen durch unabhängige Dritte überprüft werden und Ihnen damit ein belastbares und glaubwürdiges Differenzierungsmerkmal gegenüber den Endkund*innen bieten.
Die EmpCo-Richtlinie richtet sich an Unternehmen mit Sitz in der EU und Unternehmen außerhalb der EU, wenn ihre Produkte in der EU vermarktet werden. Sie richtet sich insbesondere an Marken, Händler*innen, Online-Shops und Plattformen sowie an Unternehmen, die Produktlabels oder Prüfzeichen in ihrer Kommunikation einsetzen.
Betroffen sind zudem Marketing-, Produkt-, Nachhaltigkeits- und Compliance-Teams. Auch B2B-Unternehmen sollten die Anforderungen berücksichtigen, wenn ihre Produktinformationen, Zertifikate oder Kennzeichnungen in der Kommunikation gegenüber Endverbraucher*innen (B2C) verwendet werden.
Für OETI-Kunden kann die EmpCo-Richtlinie von besonderer Bedeutung sein, da OEKO-TEX® Zertifizierungen und Labels häufig in der Vermarktung, auf Produktverpackungen oder in der Online-Kommunikation für den EU-Markt eingesetzt werden.
Sobald solche Angaben gegenüber Verbraucher*innen verwendet werden, müssen sie den Vorgaben der EmpCo-Richtlinie entsprechen und transparent sowie überprüfbar sein.
Entscheidend ist dabei nicht nur, ob ein Produkt zertifiziert ist, sondern auch, wie das Zertifikat, das Label und die dazugehörigen Aussagen gegenüber Verbraucher*innen eingesetzt und dargestellt werden.
Die Richtlinie erweitert die bestehenden Vorschriften gegen unlautere Geschäftspraktiken und legt fest, über welche Produktmerkmale Verbraucher*innen nicht in die Irre geführt werden dürfen. Dazu gehören ausdrücklich ökologische und soziale Merkmale sowie Produktlebensdauer und Kreislaufwirtschaft, z. B. Haltbarkeit, Reparierbarkeit oder Recyclingfähigkeit.
Besonders relevant sind:
• Umweltaussagen
etwa zu Ressourcennutzung, Chemikaliensicherheit, Recyclinganteilen, Klima oder Umweltleistung
• Aussagen zu sozialen Standards
etwa zu Arbeitsbedingungen, Menschenrechten und verantwortungsvoller Produktion
• Aussagen zur Produktlebensdauer und Kreislaufwirtschaft
etwa zu Reparierbarkeit, Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit oder Recyclingfähigkeit
• Nachhaltigkeitssiegel und Zertifizierungen
einschließlich Gütezeichen, Vertrauenslabels und anderer Kennzeichnungen, die ökologische oder soziale Eigenschaften hervorheben
• Vergleichende Umwelt- und Sozialaussagen
wenn Produkte anhand ökologischer, sozialer oder zirkulärer Merkmale verglichen werden, müssen die zugrunde liegenden Informationen transparent sein
• Produktbezogene Aussagen zur Klimaneutralität
Aussagen wie „klimaneutral“ oder „CO₂-neutral“ sind besonders kritisch, wenn sie auf Kompensation außerhalb der tatsächlichen Produktwertschöpfung beruhen.
Die Richtlinie untersagt insbesondere Aussagen, die auf der Kompensation von Treibhausgasemissionen beruhen und den Eindruck vermitteln, ein Produkt habe hinsichtlich der Treibhausgasemissionen neutrale, verringerte oder positive Auswirkungen auf die Umwelt.
Wer Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“ oder „umweltfreundlich“ verwendet, muss erklären können, was genau damit gemeint ist, und dies mit geeigneten Nachweisen belegen.
Bei allgemeinen Umweltaussagen gelten besonders strenge Anforderungen. Eine allgemeine Umweltaussage darf nicht verwendet werden, wenn die damit suggerierte anerkannte hervorragende Umweltleistung nicht nachgewiesen werden kann.
Die EmpCo-Richtlinie wurde 2024 verabschiedet. Die EU-Mitgliedstaaten müssen sie in nationales Recht umsetzen.
Wichtige Daten:
- 6. März 2024: Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union
- 27. März 2026: Frist für die Umsetzung in nationales Recht durch die EU-Mitgliedstaaten
- 27. September 2026: Anwendung der neuen Vorschriften
Präzise formuliert sieht die Richtlinie vor, dass die Mitgliedstaaten die erforderlichen nationalen Vorschriften bis zum 27. März 2026 erlassen und veröffentlichen und diese ab dem 27. September 2026 anwenden.
Die Durchsetzung erfolgt durch die nationalen Behörden. Details zu Sanktionen werden auf Ebene der Mitgliedstaaten geregelt.
Für Unternehmen bedeutet das: Produktaussagen, Label-Nutzung und Nachhaltigkeitskommunikation sollten frühzeitig geprüft und dokumentiert werden.
Die EmpCo-Richtlinie definiert Anforderungen an Zertifizierungssysteme, die Nachhaltigkeitssiegel herausgeben können. Ein zentrales Element ist die transparente und nachweisbare Unabhängigkeit der Konformitätsbewertung.
OEKO-TEX® hat sich frühzeitig mit den neuen Anforderungen auseinandergesetzt und die erforderlichen Anpassungen sorgfältig vorbereitet. Dabei wurden mehrere unabhängige Rechtsgutachten berücksichtigt.
Im Mittelpunkt der Umstrukturierung stehen daher eine klare Trennung zwischen Standardsetzung und Konformitätsbewertung sowie institutionell verankerte Strukturen zur Sicherstellung der Unabhängigkeit.
1. Neue Rechts- und Governance-Struktur
• Umwandlung der bestehenden Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in eine Aktiengesellschaft (AG)
• Ein Verwaltungsrat als oberstes Entscheidungsgremium
2. Institutionalisierte Unabhängigkeit und Transparenz
• Ein Unabhängigkeitsstatut
• Ein Unabhängigkeitsausschuss
• Ein anonymes Meldesystem für Hinweisgeber
3. Harmonisierte, ISO-konforme Verfahren
• Ein neuer Akkreditierungsvertrag in Übereinstimmung mit internationalen Normen, darunter ISO/IEC 17025 und ISO/IEC 17065
• Einheitliche Diskriminierungsfreiheit und Qualitätssicherung im gesamten System
Diese Maßnahmen stellen sicher, dass OEKO-TEX® die EmpCo-Anforderungen an Zertifizierungssysteme erfüllt und zugleich auf künftige regulatorische Entwicklungen vorbereitet ist.
OEKO-TEX® Zertifizierungen können Unternehmen dabei unterstützen, spezifische Produkt- und Lieferkettenaussagen besser zu belegen. Entscheidend ist die korrekte Zuordnung der Aussagen:
- OEKO-TEX® STANDARD 100: Für Aussagen zu schadstoffgeprüften Textilien
- OEKO-TEX® LEATHER STANDARD: Für Aussagen zu schadstoffgeprüften Lederartikeln
- OEKO-TEX® ORGANIC COTTON: Für Aussagen zu geprüfter Bio-Baumwolle und Schadstoffprüfung
- OEKO-TEX® ECO PASSPORT: Für Aussagen zu geprüften Chemikalien, Farbstoffen und Hilfsmitteln
- OEKO-TEX® STeP: Für die Analyse und Bewertung für Produktionsstätten zu Chemikalienmanagement, Umweltleistung, Umweltmanagement, sozialer Verantwortung, Qualitätsmanagement, Gesundheitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz
- OEKO-TEX® MADE IN GREEN: Für Produkte, die schadstoffgeprüft, in STeP-zertifizierten Betrieben hergestellt und über ID oder QR-Code rückverfolgbar sind
- OEKO-TEX® RESPONSIBLE BUSINESS: Für Managementsysteme zu verantwortungsvollem unternehmerischem Handeln und Sorgfaltspflicht entlang der Lieferketten
- OEKO-TEX® Label Check: Zur Überprüfung von Labels und Zertifikaten; bei MADE IN GREEN mit zusätzlichen Lieferketteninformationen
1. Rechtssicherheit:
Aussagen im Zusammenhang mit Ihren OEKO-TEX® Labels sind bei Verwendung gemäß unserem Labelling Guide EmpCo-konform und können weiterhin in Ihrer Kommunikation eingesetzt werden.
2. Glaubwürdige Differenzierung:
Unabhängig geprüfte Aussagen bieten Ihnen ein belastbares und glaubwürdiges Differenzierungsmerkmal gegenüber Endkund*innen.
3. Zukunftssicherheit:
Sie profitieren von einem System, das auf aktuelle und künftige regulatorische Anforderungen vorbereitet ist, ohne zusätzlichen Anpassungsaufwand für Sie
OEKO-TEX® bleibt ein globales System mit akkreditierten Zertifizierungsstellen. Die Standardsetzung erfolgt weiterhin unter Einbindung unabhängiger externer Expert*innen in einem Multi-Stakeholder-Prozess mit öffentlicher Konsultation.
Weitere Informationen zur korrekten Verwendung von OEKO-TEX® Labels im Zusammenhang mit der EmpCo-Richtlinie finden Sie in der offiziellen OEKO-TEX® Labelling Guide Empfehlung:
Bitte beachten Sie: Die Empfehlungen im OEKO-TEX® Labelling Guide unterstützen eine klare und einheitliche Kommunikation. Sie ersetzen jedoch keine rechtliche Prüfung im Einzelfall, insbesondere dann, wenn abweichende Formulierungen, Begriffe oder Darstellungen verwendet werden.
Für Kund*innen und Partner*innen ändert sich im Tagesgeschäft nichts: Prüfungen, Audits und Zertifizierungen werden unverändert fortgeführt. Die nachweisbare Unabhängigkeit des Systems wird gestärkt.
Die Umstrukturierung betrifft damit die Governance und die institutionelle Absicherung der Unabhängigkeit des OEKO-TEX® Zertifizierungssystems – nicht die bewährten Prüf-, Audit- und Zertifizierungsprozesse.
Die betroffenen OEKO-TEX® Labels bleiben rechtskonform und können auch nach dem 27. September 2026 uneingeschränkt weiterverwendet werden.
Unternehmen sollten ihre Nachhaltigkeitskommunikation frühzeitig prüfen. Nicht nur der Claim selbst zählt, sondern auch der Kontext: Produkt, Markt, Medium, Zertifikat, Nachweis und Zielgruppe.
Wichtig ist:
• Aussagen spezifisch statt allgemein formulieren
• Labels nur für tatsächlich zertifizierte Produkte verwenden
• Zertifizierungsumfang transparent kommunizieren
• Produktsicherheit, Produktion, Rückverfolgbarkeit und Sorgfaltspflicht entlang der Lieferkette klar trennen
• Zertifikate und Label-Freigaben dokumentieren
• für einheitliche und konsistente Aussagen in Marketing, Produktmanagement und Konformität sorgen
• Verbraucher*innen eine einfache Überprüfung ermöglichen, zum Beispiel über den Label Check
• Labels im Produktmarketing so platzieren, dass die Zuordnung zum zertifizierten Produkt eindeutig ist
Zusätzlich sollte geprüft werden, ob eine Aussage über den konkreten Inhalt der Zertifizierung hinausgeht. Eine OEKO-TEX® Zertifizierung kann eine Aussage zu bestimmten geprüften oder zertifizierten Merkmalen unterstützen, ist jedoch kein Beleg für beliebige Umwelt- oder Nachhaltigkeitsaussagen.
Für die Verwendung von OEKO-TEX® Labels auf Verkaufsverpackungen sowie in der Produktkommunikation verweist OEKO-TEX® auf den Labelling Guide. Für Websites und Produktdetailseiten stehen dort auch vorab freigegebene Formulierungen zur Verfügung.
Grundsatz
Nicht jedes zertifizierte Produkt sollte pauschal als „nachhaltig“ beworben werden. Besser sind konkrete Aussagen wie „auf Schadstoffe geprüft“, „rückverfolgbar über Label Check“ oder „hergestellt in STeP-zertifizierten Betrieben“, sofern dies für das jeweilige Produkt zutrifft.
Bei allgemeinen Darstellungen ohne direkten Bezug zu einem konkreten zertifizierten Produkt ist besondere Vorsicht geboten. Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass ein Unternehmen, ein gesamtes Sortiment oder ein nicht zertifiziertes Produkt nach einem OEKO-TEX® Standard zertifiziert ist.
Auch im Online-Shop muss die Zuordnung eindeutig sein. Werden zertifizierte und nicht zertifizierte Produkte gemeinsam dargestellt, darf durch Positionierung, Gestaltung oder Formulierung nicht der Eindruck entstehen, dass das OEKO-TEX® Label für alle dargestellten Produkte gilt.
OETI unterstützt Unternehmen dabei, OEKO-TEX® Zertifizierungen korrekt einzuordnen und für klare, belastbare Produktkommunikation zu nutzen.
Wir unterstützen bei:
• Auswahl der passenden OEKO-TEX® Zertifizierung
• Prüfung von Produkt- und Materialanforderungen
• korrekter Nutzung von OEKO-TEX® Labels
• Einordnung von Aussagen zu Schadstoffprüfung, Chemikalienmanagement, Produktion und Rückverfolgbarkeit
• Nutzung von Label Check und Buying Guide
• Vorbereitung auf steigende Transparenzanforderungen im EU-Markt
• Aufbau klarer interner Prozesse für Nachhaltigkeitskommunikation
• Abstimmung von Zertifizierungsumfang und Produktkommunikation, damit technische Zertifizierung und Marketingaussage klar zusammenpassen
• Einordnung der Vorgaben des jeweils gültigen OEKO-TEX® Labelling Guide
So lassen sich Greenwashing-Risiken reduzieren, Nachweise besser strukturieren und Produktinformationen verständlicher kommunizieren.
Gleichzeitig stärken konkrete, nachvollziehbare und unabhängig geprüfte Aussagen das Vertrauen von Kund*innen und unterstützen Unternehmen dabei, ihre Nachhaltigkeitskommunikation glaubwürdig von pauschalen oder nicht belegbaren Aussagen abzugrenzen.
Seit Jahrzehnten ist OETI ein verlässlicher Partner für OEKO-TEX® Lösungen und unterstützt seine Kunden mit umfassender Expertise und langjähriger Erfahrung. Als Gründungsmitglied der OEKO-TEX® Gemeinschaft hat OETI von Anfang an zur Weiterentwicklung des Systems beigetragen.
