24.04.2018

PSA-VERORDNUNG NEU!


Die bisherige "Richtlinie 89/686/EWG über persönliche Schutzausrüstungen" aus dem Jahr 1989 wird ab 21. April 2018 durch die PSA-Verordnung (EU) 2016/425 ersetzt.

Bei der Verordnung (EU) 2016/425 handelt es sich um ein in einem jahrelangen Prozess erarbeitetes Dokument, welches Anforderungen an Entwurf und Herstellung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA), den freien Verkehr von PSA in der EU sowie den Zertifizierungsprozess von PSA regelt.


1. Was ist neu? – wesentliche Änderungen gegenüber der bisherigen PSA-Richtlinie

  • Rechtsform

Aus der bisherigen Richtlinie (Richtlinie 89/686/EWG) wurde eine Verordnung (Verordnung (EU) 2016/425), diese gilt nach Inkrafttreten für alle Mitgliedsstaaten der EU und muss nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden.

  • Anwendungsbereich

Der Anwendungsbereich der PSA Verordnung wurde geringfügig erweitert. Dadurch gilt die neue Verordnung auch für PSA zum Schutz gegen Hitze, die privat verwendet wird (z. B. für Grill- oder Ofenhandschuhe).
[siehe Verordnung (EU) 2016/425 Kapitel II; Artikel 2]

  • Pflichten für die Wirtschaftsakteure

Durch die Anpassung an das NLF (New Legislative Framework; https://www.ce-richtlinien.eu/new-legislative-framework/) enthält die Verordnung detaillierte Pflichten für die Wirtschaftsakteure: Hersteller, Bevollmächtigter, Einführer/Importeur und Händler.
[siehe Verordnung (EU) 2016/425 Kapitel II]

  • Konformitätserklärung

Die Konformitätserklärung muss gemäß Verordnung jeder einzelnen PSA beigelegt sein oder es muss in der Benutzer-/Verwenderinformation vermerkt sein, unter welcher Internet-Adresse auf die Konformitätserklärung zugegriffen werden kann.
[siehe Verordnung (EU) 2016/425 Anhang II; Pkt. 1.4]

  • Risikokategorien

Jede PSA muss (wie bisher auch) in eine der folgenden Risikokategorien eingestuft werden:


Kategorie Risiken
Kategorie I geringfügige Risiken
Kategorie II Risiken, die nicht unter Kategorie I oder Kategorie III aufgeführt sind
Kategorie III Risiken, die zu sehr schwerwiegenden Folgen wie Tod oder irreversiblen Gesundheitsschäden führen können


Wie bereits bei der PSA-Richtlinie 89/686/EWG sind die Definitionen rein risikobasiert. Die Risikokategorien sind detailliert im Anhang I der PSA-Verordnung (EU) 2016/425 aufgelistet.
[siehe Verordnung (EU) 2016/425 Anhang I]

  • Erweiterte Risiken

Die Liste der "Kategorie III" Risiken wurde um folgende erweitert

-       Ertrinken

-       Schnittverletzungen durch handgeführte Kettensägen

-       Hochdruckstrahl

-       Verletzungen durch Projektile oder Messerstiche

-       schädlicher Lärm

Wie bisher sind, je nach Kategorie der PSA, unterschiedliche Konformitätsbewertungsverfahren zu durchlaufen.
[siehe Verordnung (EU) 2016/425 Anhang I]

  • Konformitätsbewertungsverfahren

Die Konformitätsbewertung wird mit der Anpassung an den NLF in folgende Module geglieder:


Kategorie Konformitätsbewertungsverfahren
Kategorie I interne Fertigungskontrolle (Modul A) gemäß Anhang IV


Kategorie II EU-Baumusterprüfung (Modul B) gemäß Anhang V

+ Konformität mit dem Baumuster auf der Grundlage einer internen Fertigungskontrolle (Modul C) gemäß Anhang VI


Kategorie III EU-Baumusterprüfung (Modul B) gemäß Anhang

+ Konformität mit dem Baumuster auf der Grundlage einer internen Fertigungskontrolle mit überwachten Produktprüfungen in unregelmäßigen Abständen (Modul C2) gemäß Anhang VII



oder



EU-Baumusterprüfung (Modul B) gemäß Anhang V

+ Konformität mit dem Baumuster auf der Grundlage einer Qualitätssicherung bezogen auf den Produktionsprozess (Modul D) gemäß Anhang VIII


[siehe Verordnung (EU) 2016/425 Kapitel IV, Artikel 19]



2. FAQ – Antworten auf die häufigsten Fragen

  • Ab wann kann PSA nach der neuen Verordnung zertifiziert werden?

Ab 21. April 2018 wird nach der neuen Verordnung zertifiziert.

  • Was geschieht ab dem 21.04.2018 mit PSA, die nach alter Richtlinie hergestellt wurde?

Der Zeitraum zwischen dem 21.04.2018 und dem 20.04.2019 gilt als Übergangsjahr. Während dieser Zeit dürfen PSA, die nach alter Richtlinie produziert wurde, noch in Verkehr gebracht werden. Das ermöglicht allen Herstellern ihren Lagerbestand der PSA (nach alter Richtlinie) zu verkaufen und in den Handel zu bringen.

  • Was geschieht mit den gültigen Baumusterbescheinigungen ab dem 21.04.2019?

Baumusterbescheinigungen nach alter Richtlinie behalten auch ab dem 21.04.2019 Ihre Gültigkeit, aber nur für im Handel befindliche Produkte.
PSA, die vor und während des Übergangsjahres in Verkehr gebracht wurden und im Handel erhältlich sind, dürfen bis zum Ende der Gültigkeit des entsprechenden Zertifikats verkauft werden, spätestens aber bis zum 20.04.2023.

  • Was geschieht nach dem 21.04.2023?

Ab diesem Zeitpunkt darf im Handel nur noch Bekleidung erhältlich sein, welche nach neuer PSA Verordnung hergestellt und zertifiziert wurde.



3. Was sonst noch zu beachten ist!

  • Falls Sie PSA einkaufen und unter eigenem Label vermarkten, gehen die Herstellerpflichten an Sie als Händler über. Sie tragen die volle Verantwortung für Ihr Produkt.
  • Ab 21.04.2018 muss für jede PSA (auch Kategorie I) eine Konformitätserklärung nach neuer Verordnung ausgestellt und veröffentlicht werden. Diese können Sie entweder jeder PSA beilegen (analog zur Herstellerinformation) oder einen Hinweis dazu, wo die entsprechende Konformitätserklärung abrufbar ist. Bei PSA, die nach alter Richtlinie hergestellt wurde und während des Übergangsjahres in Verkehr gebracht wird, muss die Konformitätserklärung alle infrage kommenden Richtlinien und Verordnungen enthalten.
  • Zertifikate ohne Ablaufdatum sind ab dem 21.04.2023 ungültig. Für die zertifizierten Artikel gelten ab dem 21.04.2018 die gleichen Bestimmungen wie PSA, die nach alter Richtlinie hergestellt und zertifiziert wurden.

Wir sind ein Notified body (NB 0534).


Judith Pointner


Leiterin Geschäftsbereich 
Textiltechnik und Persönliche Schutzausrüstung
Ing. Judith Pointner

Marion Pfeiler


Geschäftsbereich
Textiltechnik und Persönliche Schutzausrüstung
Dipl.-HTL-Ing. Marion Pfeiler

 
 
 
 




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